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Ein Jahr Zentrale Aufnahme: Mehr Orientierung für Familien und Zuweisende

Seit einem Jahr bündelt die Zentrale Aufnahme (ZA) der Kinder- und Jugendpsychiatrie alle Anfragen an einer zentralen Stelle. Für Familien und Zuweisende bedeutet dies einen einfacheren, transparenteren und effizienteren Zugang zu den Angeboten. Es zeigt sich, dass die neue Struktur den hohen Bedarf an kinder- und jugendpsychiatrischen Leistungen sichtbar macht, aber die begrenzten ambulanten Behandlungskapazitäten nicht ersetzen kann. Im Interview blickt die Oberärztin der ZA, Dr. Anne-Kathrin Ettl, auf die Erfahrungen des ersten Betriebsjahres zurück.

1. Juli 2026

Dr. Anne-Kathrin Ettl: Nach einem Jahr Betrieb - Welche Bilanz ziehen Sie?
Wir ziehen insgesamt eine positive Bilanz: Die ZA hat sich als wichtige Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche, Familien sowie Zuweisende etabliert. Durch die Bündelung aller Anmeldungen an einem Ort konnten wir mehr Transparenz schaffen, einen besseren Überblick über die Nachfrage gewinnen die Anfragen gezielt den passenden Angeboten zuzuweisen.
Überrascht hat uns die gleichbleibend hohe Anzahl und die Komplexität der Anfragen, welche wir neu in der ZA alle systematisch erfassen. In der Zentralen Aufnahme kann direkt beurteilt werden, welchem Angebot eine bestimmte Anfrage oder Notfallsituation zugewiesen wird, oder ob eine Anfrage zunächst an eine alternativen Fachstelle gestellt werden soll. Die Zentrale Aufnahme übernimmt deshalb nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine wichtige beratende Funktion. Es wurde erneut deutlich, wie gross der Bedarf an kinder- und jugendpsychiatrischen Leistungen ist und wie wichtig eine sorgfältige Priorisierung der vorhandenen Kapazitäten bleibt.

Was hat sich für die Patientinnen, Patienten und deren Familien verbessert?
Für Familien und Zuweisende gibt es heute einen klaren und einheitlichen Zugang zu unseren Angeboten. Früher mussten Anmeldungen teilweise an unterschiedliche Stellen gerichtet werden, was für Betroffene und Zuweisende nicht immer transparent war. Heute haben Familien eine zentrale Ansprechstelle, die sie durch den Aufnahmeprozess begleitet. Notfallanfragen können schnell und an zentraler Stelle bearbeitet werden. Wir können frühzeitig Empfehlungen abgeben, Dringlichkeiten abschätzen und gegebenenfalls alternative Unterstützungsangebote aufzeigen.

Wie hat die Zentrale Aufnahme die Abläufe optimiert?
Die zentrale Triage hat die Abläufe vereinheitlicht und übersichtlicher gemacht. Sämtliche Anmeldungen werden nach denselben Kriterien erfasst und beurteilt. Dadurch können wir Dringlichkeiten besser vergleichen und die verfügbaren Ressourcen gezielter einsetzen.
Intensiviert hat sich auch die Kommunikation zwischen den verschiedenen ambulanten und stationären Bereichen, wie zu den Spezialsprechstunden oder zur Planung der stationären Bettenbelegung. Die Informationen werden frühzeitig erhoben und stehen den weiterbehandelnden Teams zur Planung zur Verfügung. Die Zentrale Aufnahme ermöglicht zudem einen Gesamtüberblick über die Nachfrage zu Abklärungen, Spezialsprechstunden oder stationären Angeboten.

Wo lagen die grössten Herausforderungen?
Obwohl wir von den Erfahrungen der Erwachsenenpsychiatrie profitieren konnten, zeigte sich rasch, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrie eigene Anforderungen mit sich bringt. Die Fragestellungen sind häufig anders komplex und beziehen neben dem Kind oder Jugendlichen immer auch das familiäre, schulische und soziale Umfeld mit ein.
Eine besondere Herausforderung ist die grosse Vielfalt der Anmeldungen. Die ZA koordiniert sowohl die ambulanten Notfall- und Kriseninterventionen, die allgemeinen kinder- und jugendpsychiatrischen Abklärungen, die Spezialsprechstunden als auch die Therapie- und stationären Behandlungsanfragen. Entsprechend mussten die Triageprozesse differenziert gestaltet und laufend weiterentwickelt werden.
Zudem zeigte sich, dass eine weiterentwickelte Triage die begrenzten Behandlungskapazitäten nicht ersetzen kann. Gerade bei Therapieanfragen besteht weiterhin eine hohe Nachfrage, die das vorhandene Angebot übersteigt. Die ZA kann hier unterstützen, Erwartungen zu klären und alternative Möglichkeiten aufzeigen, die Herausforderung fehlender Therapieplätze jedoch nicht vollständig lösen.
Im Verlauf des ersten Jahres haben wir deshalb verschiedene Anpassungen vorgenommen, etwa bei den Triagekriterien, der Organisation der Abklärungsgespräche in den Ambulatorien sowie den Abläufen für dringliche Anmeldungen. Diese kontinuierliche Weiterentwicklung war und bleibt ein wichtiger Teil des Aufbauprozesses.

Blick nach vorne: Wie möchten Sie die Zentrale Aufnahme künftig weiterentwickeln?
Für die Zukunft möchten wir die ZA als Drehscheibe der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung in unserer Klinik weiter stärken. Ein Schwerpunkt wird darin liegen, die Triageprozesse weiter zu verfeinern und die Zusammenarbeit mit Zuweisenden, Schulen, Kinderärztinnen und Kinderärzten sowie weiteren Partnerinstitutionen auszubauen. Darüber hinaus möchten wir die vorhandenen Daten aus der Zentralen Aufnahme noch stärker nutzen, um Versorgungsbedarfe frühzeitig zu erkennen und die Angebote gezielt weiterzuentwickeln.
Unser Ziel bleibt es, Familien möglichst früh eine fachliche Orientierung zu bieten und die vorhandenen Ressourcen so einzusetzen, dass Kinder und Jugendliche die für sie passende Unterstützung zum richtigen Zeitpunkt erhalten. Nach dem ersten Jahr sehen wir die Zentrale Aufnahme nicht als abgeschlossenes Projekt, sondern als einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess, der wesentlich zu einer patientenorientierten und effizienten Versorgung beiträgt.

Dr. med.
Anne-Kathrin Ettl
Oberärztin der Akutabteilung für Jugendliche der Psychiatrie Baselland, Liestal.

Zentrale Aufnahme der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Seit dem 1. Juli 2025 koordiniert die Zentrale Aufnahme (ZA) der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Psychiatrie Baselland die ambulanten und stationären Anmeldungen und Zuweisungen und bietet ambulante Notfall und Krisenintervention an. Das interprofessionelle Team der ZA klärt ab, ob Patientinnen und Patienten eine stationäre oder ambulante Behandlung benötigen und ob es dafür eine genauere diagnostische Einschätzung braucht. Zudem bietet sie ambulante Notfallinterventionen und Krisenbehandlungen an.
Darüber hinaus werden Notfallkonsilien durchgeführt, um bei Bedarf eine rasche fachliche Einschätzung und Entscheidung zu ermöglichen. Bei stationären Notfalleintritten sorgt die ZA für eine schnelle und effiziente Aufnahme. 

Weitere Informationen

Kontakt

Zentrale Aufnahme

Kinder- und Jugendpsychiatrie

+41 61 553 55 55
kjp.aufnahme(at)pbl.ch