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Gut 250 Fachpersonen aus dem deutschsprachigen Raum haben sich in Liestal mit dem Selbstverständnis der Psychiatrie, neuen Versorgungsformen und der interprofessionellen Zusammenarbeit auseinandergesetzt. In der Akutpsychiatrie ist ein verstärktes Engagement willkommen, denn sie ist in Lehre und Forschung immer noch untervertreten.

Liestal, 24.04.2023

Die Therapie von Menschen in psychischen Krisen verlangt von den therapeutisch-pflegerischen Fachpersonen, dass sie sich immer wieder kritisch mit den dafür nötigen Methoden, Interventionen, mit ihrem Rollenverständnis und der interprofessionellen Zusammenarbeit auseinandersetzen. Herausforderungen sind zudem der permanente Kostendruck, der Fachkräftemangel und eine teils veraltete Infrastruktur, die den Bedürfnissen einer modernen Psychiatrie nicht mehr genügt.

Psychiatrie Baselland im Wandel

Als Beispiel für eine Psychiatrie im Wandel erwähnte Elena Seidel, Direktorin Pflege der Psychiatrie Baselland (PBL), die Psychiatrie Baselland. Derzeit entstünden auf dem Campus Liestal mehrere neue Klinikgebäude, sagte sie am Praxisforum Akutpsychiatrie in Liestal. Alte Häuser werden ersetzt oder saniert, und in zahlreichen Projekten wird "die klinische Versorgung in der Erwachsenenpsychiatrie neu organisiert."

Derzeit würden die Versorgungsstrukturen und –prozesse in der Krisenintervention angepasst, ab Ende April auch in der Alterspsychiatrie. "Wir richten unsere Prozesse so aus", meinte Elena Seidel, "dass die Fachpersonen mehr Zeit für die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten haben werden."

Komplexe Themen – reicher Erfahrungsaustausch

Was es braucht, um Menschen in akuten psychischen Krisen zu behandeln und zu begleiten – darüber haben rund 250 Fachpersonen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich in der PBL in Liestal diskutiert. Themen waren, unter anderen, das Selbstbild psychiatrischer Fachpersonen, Versorgungsmodelle, Interprofessionalität, Strategien zur Bewältigung von psychischen Ausnahmesituationen, Zwangsmassnahmen, die Arbeit der Pflege sowie von Genesungsbegleiterinnen und -begleitern, Angehörigenarbeit und innovative Settings wie die aufsuchende Behandlung (Home Treatment).

In vielen themenbezogenen Vorträgen, Workshops und Diskussionen haben sich die Fachpersonen berufsübergreifend mit allen diesen Aspekten auseinandergesetzt, verschiedene Perspektiven ausgetauscht und über ihre Erfahrungen berichtet.

Akutpsychiatrie immer noch untervertreten

Das Praxisforum Akutpsychiatrie ist vom Direktor Erwachsenenpsychiatrie der PBL, Matthias Jäger, gemeinsam mit Lieselotte Mahler und Ina Jarchov-Jàdi aus Berlin erstmals vor sieben Jahren in Berlin organisiert worden. Es hat sich mittlerweile als internationale Austauschplattform psychiatrischer Fachpersonen etabliert. "Eine spezialisierte Auseinandersetzung und Weiterentwicklung der Akutpsychiatrie ist wichtig, denn sie ist in Forschung, Literatur und Bildungsangeboten immer noch stark unterrepräsentiert", sagt Matthias Jäger. "Mir unserem zweitätigen Praxisforum Akutversorgung adressieren wir genau diesen Themenbereich."

Durch den Austausch über Modellprojekte, Best-Practice-Beispiele, Ergebnisse der praxisnahen Versorgungsforschung und kontroverse Diskussionen von Haltungsfragen werden zunehmend in vielen Kliniken Weiterentwicklungs- und Erneuerungsprozesse stimuliert, die eine Professionalisierung und Spezialisierung der akutpsychiatrischen Versorgung fördern.
 

Positives Fazit zum Praxisforum

Nach zwei intensiven Tagen mit Diskussionen, Vernetzungsarbeit und Austausch ist das Praxisforum mit durchwegs positiven Feedbacks zu Ende gegangen. In den beteiligten rund 35 psychiatrischen Kliniken wird an den zahlreichen Themen und Projekten weitergearbeitet werden, bis zum nächsten Treffen 2024 in Berlin.        

Kontakt

Prof. Dr. med.
Matthias Jäger
Direktor Erwachsenenpsychiatrie,
Chefarzt Privatklinik