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"Wir müssen alte und sanierungsbedürftige Gebäude ersetzen"

Die Psychiatrie Baselland baut derzeit neue Klinikgebäude auf ihrem Campus Liestal und hat zwei neue Häuser in Binningen und Liestal in Betrieb genommen. Sie verfolgt damit strategische Unternehmensziele für eine moderne Infrastruktur zum Wohle der Patientinnen und Patienten, aber auch für einen wirtschaftlichen und rationellen Betrieb. CEO Barbara Schunk und Fabian Keller, Leiter Betrieb und stellvertretender CEO, sprechen über die Bedeutung der Neubauprojekte für eine langfristig erfolgreiche Zukunft der PBL.

Welche Ziele verfolgt die PBL mit den beiden Klinikneubauten auf dem Campus Liestal?

Barbara Schunk: Wir müssen alte und sanierungsbedürftige Gebäude ersetzen. Vor allem diejenigen der Alterspsychiatrie jenseits der Bahnlinie an der Rheinstrasse. Wir werden alle unsere stationären und ambulanten Angebote, die wir heute in Liestal erbringen, auf unserem Campus konzentrieren. Nach dem Bezug der Neubauten werden wir unser Hauptgebäude sanieren mit dem Empfang, der Cafeteria und den heutigen Akutstationen. Diese werden ja in die neuen Gebäude verlegt und somit schaffen wir Platz. Denn wir verlegen ja nicht nur die Alterspsychiatrie an die Bienentalstrasse; auch das Ambulatorium, die Tagesklinik und die Wohnheime von inclusioplus brauchen ein neues Domizil.

Und wie steht es mit ökologischen Aspekten der beiden Gebäude?

Die heutigen Gebäude der PBL erfüllen, mit einer Ausnahme, die heute üblichen Ökologiestandards bei weitem nicht. Zu spüren ist dies zum Beispiel in der Cafeteria, wenn man sich im Winter an die Fenster setzt. Alle Neubauten und sanierten Gebäude werden die Minergie-Standards erfüllen. Zusätzlich werden die neuen Klinikgebäude für die Krisenintervention und die Alterspsychiatrie mit einer Photovoltaik-Anlage ausgerüstet. Wir machen also einen grossen Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit.

Welches sind aus baulicher Sicht die grossen Herausforderungen für den Unternehmensbereich Betrieb?

Fabian Keller: Wir haben viele Anspruchsgruppen, vor allem am Standort Liestal. Entsprechend vielfältig sind die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer sowie deren Ansprüche an die neuen Gebäude. Diesen gerecht zu werden und gleichzeitig den Kostenrahmen einzuhalten, bedeutet eine komplexe planerische Aufgabe.

Und welches sind die baulichen Herausforderungen?

Die PBL muss jeden Tag rund um die Uhr funktionieren. Das heisst, dass der Betrieb auch während den Bauarbeiten reibungslos laufen muss. Das stellen wir unter anderem mit Provisorien sicher wie zum Beispiel den Birmann-Parkplatz. Dass derzeit sehr viel in Liestal gebaut wird, auch in unmittelbarer Nähe zur PBL, erleichtert unsere Lage nicht unbedingt.

Wie steht es mit den Corona-Schutzmassnahmen auf der neuen Baustelle?

Der Bund und der Schweizerische Baumeisterverband haben Schutzvorschriften erstellt, die auf unseren Baustellen selbstverständlich umgesetzt und eingehalten werden. Gute Erfahrungen haben wir damit bereits auf der Baustelle des neuen Gebäudes für die Kinder- und Jugendpsychiatrie machen können; dort hatten im März 2020 offizielle Inspektoren die Coronavirus-Schutzmassnahmen geprüft und uns dafür die Bestätigung "Diese Baustelle ist BAG-konform" ausgestellt.

In der PBL herrscht Maskenpflicht auf dem ganzen Areal, Masken sieht man bei den Bauarbeitern auf dem Campus aber keine.

Nein, denn auf den Baustellen wird harte körperliche Arbeit geleistet und die Verantwortung während der Bauphase liegt bei den zuständigen Architekten. Darum weichen die Schutzregeln für die Bauarbeiten erheblich von unseren ab, denn auf dem Bau gilt eine erleichterte Maskenpflicht. Sobald wir aber die Verantwortung tragen, gelten die PBL-Vorschriften. Das gilt seit der Schlüsselübernahme für unser neues Domizil in Binningen und den KJP-Neubau in Liestal. Wir hatten Glück, dass wir auf den Baustellen in Liestal bisher keine Verzögerungen aufgrund der Pandemie erleiden mussten; im Gegensatz dazu hatten wir in unseren Zentrum für psychische Gesundheit Binningen, wo es um eine Mietliegenschaft geht, eine mehrmonatige Verzögerung aufgrund von Corona.

Die Zahl der Betten der Erwachsenenpsychiatrie von derzeit 220 soll durch die beiden Neubauten nicht erhöht werden. Trotzdem: Braucht es diese Betten noch angesichts dem klaren Trend zu ambulanten und teilstationären statt stationären Therapien?

Barbara Schunk: Der Trend zu ambulanten und tagesklinischen Therapien ist zwar ungebrochen und auch Behandlungen zu Hause (Home Treatment) werden künftig vermehrt ein Thema sein. Aber diese Therapiesettings haben bei schwereren psychischen Erkrankungen ihre Grenzen. Ausserdem steigt die Zahl der stationär behandelten Patientinnen und Patienten stetig. Das hat unter anderem auch mit dem Bevölkerungswachstum und der zunehmenden Alterung zu tun.

Die Neubauten sind Teil der Campusentwicklung. Welche langfristigen Ziele sind mit dieser Entwicklung verbunden?

Die Konzentration der Klinikgebäude an einem Standort mit zentraler Infrastruktur wie Küche, Cafeteria, Mehrzweckräumen und dergleichen ist das eine. Das andere ist die langfristige Ausrichtung der PBL als psychiatrische Institution, die hochwertige Leistungen anbietet, die wirtschaftlich und in einem umfassenden Sinn nachhaltig betrieben wird und die attraktiv bleibt, für qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir wollen stark sein im Wettbewerb mit anderen Anbietern und wir müssen als Unternehmen unabhängig bleiben. Das geht nicht ohne substanzielle Investitionen in zeitgemässe Klinikgebäude.

In den Medien ist vom "Wettrüsten" der Spitäler zu lesen und zu hören. Auch in der Nordwestschweiz wird kräftig gebaut. Besteht die Gefahr, dass eine teure Überkapazität geschaffen wird?

Viele Gesundheitsinstitutionen ersetzen oder sanieren derzeit ihre alte Infrastruktur. Für uns gilt: Nur eine zeitgemässe, moderne Infrastruktur sowie optimierte und vereinfachte Prozesse mit Blick auf die Patientenbedürfnisse erlauben uns, die Qualität der Behandlung zu erhalten und weiter zu steigern. Wir investieren für unsere Patientinnen und Patienten.  

In anderen Kantonen haben sich Spitäler finanziell übernommen. Sie erwirtschaften zu wenig Geld, um die Investitionen zu finanzieren.

Es gibt Beispiele vor allem von somatischen Spitälern, die mit finanziellen Problemen zu kämpfen haben. Ich spreche jetzt aber für unser Unternehmen und da kann ich sagen, dass wir unsere Investitionen werden stemmen können. Wir haben eine solide Finanz- und Investitionsplanung, die wir regelmässig im Rahmen unserer finanziellen Mehrjahresplanung überprüfen und die es uns erlaubt, Änderungen aufzunehmen und bei Bedarf zu reagieren. Positiv ist: die Nachfrage nach unseren Leistungen ist ungebrochen.

Wie ist sichergestellt, dass die Kosten der Investitionen nicht aus dem Ruder laufen?

Fabian Keller: Die finanziellen Mittel der PBL sind begrenzt. Darum haben wir leider bereits in der Planungsphase den Umfang der beiden Neubauprojekte deutlich reduzieren und auf Sonderwünsche verzichten müssen. Wir verfolgen zudem ein rigoroses Kostencontrolling bei den Ausschreibungen der Aufträge und während der Bauphase. Alle Änderungen beim Bau, das heisst Abweichungen zum Bauprojekt, müssen vorher durch die Baukommission bewilligt werden, in der auch ein Mitglied des Verwaltungsrates vertreten ist.

Welche Vorteile bieten die Neubauten für die organisatorischen Abläufe?

Durch die Konzentration der Angebote und der Nähe zur zentralen Infrastruktur verkürzen wir Arbeitswege, vereinfachen Arbeitsabläufe und optimieren unsere Klinikprozesse. Wir generieren somit mehr Zeit für die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten.

Die kürzeren Wege ermöglichen auch, dass wir die Speisen für unsere Patientinnen und Patienten nicht mehr per Lastwagen transportieren müssen – dies sollte zu einer merkbaren Qualitätssteigerung führen.

Was ändert sich mit der neuen Infrastruktur für die Patientinnen und Patienten?

Barbara Schunk: Grosszügige und helle Räume, Rückzugsmöglichkeiten, eine einladende Aussengestaltung und ein angenehmes Ambiente schaffen eine ideale Umgebung für Therapien und die Genesung. Neu wird ein hoher Anteil an Einzelzimmern für mehr Ruhe und Privatsphäre sorgen, ein zentral gelegener und offener Pflegestützpunkt soll den Kontakt zum Personal intensivieren. Zudem werden Ärztinnen und Ärzte sowie Therapierende ihre Büros direkt auf den Stationen haben, was einen einfacheren therapeutischen Kontakt ermöglichen wird.

Und was heisst das alles für die Krisenintervention und Alterspsychiatrie?

In der Krisenintervention soll die räumliche Infrastruktur mit einem kleineren Intensivbetreuungsbereich zu rascherer Entspannung von akuten Krisen beitragen. In der Alterspsychiatrie soll eine auf ältere, körperlich und psychisch schwer eingeschränkte Personen ausgerichtete Bauweise die Behandlungsqualität erhöhen. Dazu gehört auch ein Garten, der speziell auf die Bedürfnisse von an Demenz erkrankten Patienten ausgerichtet ist.

Wie verändern die beiden Neubauten das Quartier, in dem es ja auch noch viele Wohnhäuser gibt?

Fabian Keller: Statt eines grossen und unwirtlichen Parkplatzes werden zwei architektonisch sehr attraktive Gebäude das Landschaftsbild prägen. Sie werden zusammen mit der Anpassung der Parkanlagen, dem neuen und sehr modernen Gebäude der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie dem später sanierten Haus B das Quartier städtebaulich aufwerten.

Was bedeuten die Neubauten für die gemeinsame Gesundheitsregion?

Barbara Schunk: Der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor Thomas Weber hat am Spatenstich für die beiden Campus-Neubauten auf die Bedeutung einer modernen Infrastruktur der PBL hingewiesen. Die PBL sei dadurch in der Lage "die Eigentümerstrategie des Kantons auch in Zukunft als stabiles, gut aufgestelltes Unternehmen und als wichtiger Pfeiler in der Baselbieter Gesundheitsversorgung zu erfüllen". Das gilt für die beiden Neubauten auf dem Campus. Genau so wichtig für die weitere Entwicklung der PBL sind selbstverständlich auch das neue Zentrum für psychische Gesundheit Binningen und der Ersatzbau für die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Liestal.