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Der Alkohol, Wutausbrüche und psychotische Zustände hatten Sven Z. schwer zugesetzt. Kollegen und Freunde wendeten sich von ihm ab. Mit Hilfe der Psychiatrie Baselland fand er den Weg zu einem neuen Anfang.

An psychische Probleme in seiner frühen Kindheit kann sich Sven Z. nicht erinnern. Er hatte ein «starkes Elternhaus», das ihm Halt gab und in dem er sich wohl fühlte. Allerdings – der Schein trügte. Schon mit drei Jahren, erzählt er, hätten zwei Kollegen etwas «Unschönes» mit ihm angestellt. Sven spricht von Missbrauch, und mit sechs Jahren sei er abermals missbraucht worden. Diese Erlebnisse sollten sein späteres Leben prägen, jahrelang behielt er sie für sich.

Scheu vor den Menschen

Auffallend ist die grosse Scheu vor den Menschen, die Sven in seinen Kindheitsjahren verspürte. Sie ging so weit, dass er einmal eine Stunde hinter einem Baum wartete, bevor er sich zum Schulabschlussfest in eine Waldhütte traute. Damals war er 15. Erst der Alkohol nahm ihm die Scheu. Sven begann zu trinken. Fotografieren war damals seine grosse Leidenschaft, die ihn auch psychisch stärkte und den fehlenden Freundeskreis ausglich.

Hilfe für Freundin setzte ihm selber zu

Jahre später lernte er eine Frau kennen. «Sie war psychisch krank und litt an Depressionen.» Sven wollte ihr helfen und setzte sich intensiv mit ihren Problemen auseinander. Offenbar überforderte er sich dabei. «Ich steckte meine ganze Energie in meine Freundin und merkte dann, dass ich mich verausgabt hatte.» Wiederholter Trennungsschmerz betäubte Sven mit Alkohol. Irgendwann lag der Pegel bei fünf Liter Bier pro Tag. «Das war für mich der Normalzustand». Dass er professionelle Hilfe gebraucht hätte, war ihm damals nicht bewusst.

Psychotische Zustände

Trotz hohem Alkoholkonsum arbeitete Sven regelmässig. 2013 litt er erstmals unter psychotischen Symptomen. Auf diesen Schrecken hin, setzte er den Alkohol abrupt ab. Aber es dauerte nicht lange und Sven Z. fiel in seine alten Gewohnheiten zurück. Es wurde noch schlimmer: «Ich trank mehr als je zuvor, pro Tag bestimmt an die zehn Liter.» Es gab Probleme bei der Arbeit. Schliesslich gelang es ihm, den Pegel wieder zu senken. Anfang 2014, erinnert er sich, hätten sich nach einem weiteren schweren Rückfall anhaltende psychotische Zustände eingestellt. Er hatte Wutausbrüche, selbst bei Kleinigkeiten, trat Türen ein und hörte Stimmen.

Sven arbeitete vorerst weiter, bis es nicht mehr ging und ihn der Hausarzt krankschrieb. Im Jahr 2015 trat er in eine Tagesklinik in Olten ein. 2016 verlor Sven seine Stelle und begann nach zwei Jahren Unterbruch wieder zu trinken. Dies führte 2017 zu einer Bauchspeicheldrüsen-Entzündung. Er verbrachte mehrere Wochen auf der Intensivstation. Sven bekam Panikattacken und wurde mit Medikamenten beruhigt. Schliesslich, imHerbst 2017, suchte er Hilfe in der Psychiatrie Baselland.

Dank Therapie zu neuer Kreativität

Einer stationären Therapie folgte eine mehrmonatige Behandlung in der Tagesklinik Liestal. Hier blieb Sven bis zum September 2018. «In der Tagesklinik fand ich zu meiner früheren Kreativität zurück und fing wieder an zu zeichnen und zu fotografieren.» Er wollte auch wieder in seinem alten Beruf arbeiten und wandte sich an das Job-Coaching der Psychiatrie Baselland. Die Beraterin unterstützte ihn bei der Stellensuche, bis es schliesslich klappte: Sven Z. fand bei einem früheren Arbeitgeber eine Anstellung und ist heute in einem 50-Prozent-Pensum beschäftigt.

Sein psychischer Zustand habe sich stabilisiert, sagt Sven. «Am meisten geholfen haben mir die vielen Gespräche während den Therapien in der Psychiatrie Baselland», bilanziert er. Aber auch das Blaue Kreuz habe ihm viel gebracht; hier besuche er regelmässig eine Gesprächsgruppe. Ambulante Hilfe findet er zudem im Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen der Psychiatrie Baselland. «Heute trinke ich keinen Schluck mehr.»

Wie die Psychiatrie Baselland Sven Z. geholfen hat

Sven Z. wurde mehrere Wochen in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Liestal stationär therapiert. Anschliessend folgte eine ambulante Behandlung. Er war ein sehr engagierter Patient und voll motiviert, vom Alkohol loszukommen. Zu seinen therapeutischen Zielen gehörte auch die Raucherentwöhnung, die Sven Z. als "Projekt" definierte und in Etappen umsetzte. Die dadurch frei gewordenen Rauchpausen nutzte er, zum Innehalten und sich Gedanken zu machen. Er dokumentierte seine Erkenntnisse schriftlich und in einem photographischen Tagebuch.

In der Psychotherapie wurde mit Sven Z. ein "Arbeitsbündnis" aufgebaut und im weiteren Verlauf biografisch relevante Aspekte und sein Erleben in der aktuellen Lebensphase thematisiert. So konnten die verschiedenen Problematiken die in seinem Alltag auftraten, betrachtet und analysiert werden. Es gab zudem stabilitätsfördernde Sitzungen, in denen unter anderem Bewältigungsstrategien und der Umgang mit Stressoren inklusive Massnahmen zur Rückfallprophylaxe antrainiert wurden.

In der tagesklinischen Behandlung lernte Sven Z, eine feste Tagesstruktur aufzubauen und mit seinen nach der stationären Behandlung übrig gebliebenen Symptomen umzugehen. Ziel war es auch, kurzfristig im geschützten Bereich und langfristig wieder in der freien Wirtschaft eine Stelle zu finden. Sven Z. nahm die Einzelgesprächsitzungen und seine Termine in der Tagesklinik sehr zuverlässig und motiviert wahr. Gleichzeitig ging er zu wöchentlichen Gesprächen ins Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen. Mit der Zeit gelang es ihm, eine feste Tagesstruktur zu etablieren.

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Psychiatrie Baselland - Zentrale Aufnahme
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