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Wenn eine Ehe im Streit geschieden wird, leiden die Kinder oft am meisten. Das kann zu psychischen Erkrankung führen. Einige Fälle sind besonders krass. Die Psychiatrie Baselland hilft mit Beratung, Coaching und Therapien.

Peter M. (alle Namen geändert) hat aus seiner ersten Ehe zwei erwachsene Kinder. Der Kontakt zu ihnen ist längst abgebrochen; sie leben im Ausland. Er heiratete wieder und wurde 2006 und 2008 erneut Vater. "Ich war überglücklich und stolz auf meine beiden Söhne. Sie liessen mich die Schmerzen über den Verlust meiner Töchterbesser ertragen."

Zuerst fröhlich, dann haben die Probleme angefangen

Aber das Glück währte nicht lange: Die Mutter sei mit den Kindern zunehmend überfordert gewesen, erzählt Peter M. "Die Nachbarn berichteten mir über ihr aggressives Verhalten gegenüber den Kindern." Zu Beginn ihrer Beziehung 2003 sei sie immer sehr fröhlich und unbeschwert gewesen, erinnert sich der 59-jährige Mann. "Auffällig war jedoch, dass sie immer zuhause war." Sie seien als Paar in diesen Jahren nur zweimal in den Ausgang gegangen.

Die Probleme verschärften sich. Der ältere Sohn, Julian, wurde von der Mutter immer vor den Fernseher gesetzt. Auch habe sie Spielsachen zerstört, die der Vater den Kindern schenkte, ihr jedoch nicht passten. Einmal wurde sie wütend über einen ausgefallenen Haarschnitt des jüngeren Sohnes Markus. "Mutti bemerkte mich oft gar nicht, da sie immer mit ihrem Handy beschäftigt war", erzählt Markus.

Peter M. sprach mit seiner Frau über ihr Verhalten. "Aber ich konnte sagen, was ich wollte – es nützte alles nichts." Im Sommer 2012 verlangte sie die Scheidung. Die Eltern nahmen sich Anwälte, die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) wurde eingeschaltet und Beistände für die Kinder bestellt.

Oft den "Tränen nahe"

In den sechs Jahren bis zur Scheidung im Mai 2018 lieferten sich Peter M. und seine Frau eine harte Auseinandersetzung um das Sorgerecht der Kinder und darüber, bei welchem Elternteil sie wohnen sollten. Dazu waren viele Termine nötig – mit der KESB, Anwälten, Gerichten und der Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland. Sie fertigte mehrere Gutachten zu diesem Sorgerechtsfall an. "Bei fast allen diesen Gesprächen war ich den Tränen nahe", berichtet Peter M. Sohn Markus nahm in dieser Zeit an einer Gruppentherapie für Kinder mit einer Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) teil.

Entspannung nach der Scheidung

Auch Julian hatten die Probleme seiner Eltern zugesetzt. "Er rebellierte, provozierte, gab zurück und verweigerte sich der Mutter", erzählt der Vater. Beide Kinder suchten in der Scheidungs-Gruppe der KJP einen Ausweg aus ihrem Gefühls-Chaos. Bei den Gesprächen unter professioneller Anleitung waren sie mit anderen Scheidungskindern zusammen und haben erfahren, wie sie wieder zur Ruhe kommen konnten. Die Kinder lernten, die Probleme zu verstehen und darüber zu reden. "Das hat mir sehr geholfen", erinnert sich Julian. Nach der Scheidung beruhigte sich die Situation zwischen den Eltern deutlich. Heute besuchen die Kinder ihre Mutter jedes zweite Wochenende. Es gebe zwar immer wieder "kritische Situationen", sagt Peter M. "Aber die Mutter wendet sich dann immer an mich, wenn sie mit den Kindern nicht klarkommt."

Benedict Weizenegger, Psychologe Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland

Wir orientieren uns bei unserer Arbeit immer am Kindswohl

Hohes Risiko von psychischen Problemen

Julian und Markus sind zwei von jährlich rund 12'000 unmündigen Kindern in der Schweiz, die von der Scheidung ihrer Eltern betroffen sind. Hunderte sind es allein in der Nordwestschweiz, und viele von ihnen werden von der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) der Psychiatrie Baselland begleitet und behandelt. Etwa fünf bis acht Prozent der Familien in Trennung sind hoch strittige Fälle. "Hier ist das Risiko für psychische Störungen der Kinder deutlich erhöht", sagt Benedict Weizenegger, Psychologe bei der KJP und spezialisiert auf Familien in Scheidung.

Besonders gefährdet sind Kinder, die über längere Zeit nur noch eingeschränkten oder gar keinen Kontakt mehr zum getrennt lebenden Elternteil haben. "Kontaktverlust zu lebenden Eltern wirkt sich nachweislich deutlich schädlicher aus als Kontaktverlust aufgrund von Tod", schreibt die Kindesschutz-Organisation Schweiz. Depressionen, Angststörungen, Verhaltensauffälligkeiten, Aggressivität oder eine Zunahme der Suchtgefahr sind nur eine Auswahl möglicher psychischer Schwierigkeiten. Auch körperliche Probleme wie Magen- oder Darmbeschwerden können auftreten.

Kinder- und Jugendpsychiatrie hilft Kindern und Eltern

Die KJP Baselland hilft Kindern und Eltern in Scheidungssituationen mit einem vielfältigen Angebot:

  • Einzel- und Gruppentherapien für Kinder
  • Beratung und Paartherapien für Eltern
  • Familientherapien
  • Pädagogisches Coaching

Das Kindswohl hat höchste Priorität

"Wir orientieren uns bei unserer Arbeit immer am Kindswohl", sagt Benedict Weizenegger. "Dieses hat höchste Priorität". Daran orientieren sich auch die vielen Gutachten, welche die KJP jedes Jahr zuhanden der KESB oder anderer Behörden erstellt und in denen es meistens um das Obhutsrecht geht. Benedict Weizenegger hat derzeit mit einem besonders schwierigen Fall zu tun, in dem sich die getrennten Elternteile sehr feindselig gegenüberstehen und auch noch die Grosseltern der Kinder involviert sind. Hoffnungen setzt er auf ein "systemisches Gespräch" mit Mutter, Vater, Grossmutter und Therapeuten. Ziel ist es, dass die Eltern wieder miteinander reden. Bis sich die Lage aber soweit entspannt hat wie im Fall von Peter M. und seinen Söhnen, wird noch viel Zeit vergehen.

Kontakt

Kinder- und Jugendpsychiatrie
Dr. med. Romaine Viollier
Assistenzärztin
Kinder- und Jugendpsychiatrie
Benedict Weizenegger
Fachpsychologe für Psychotherapie und Rechtspsychologie FSP