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Die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Psychiatrie Baselland ist spezialisiert auf die Abklärung und Behandlung von Autismus. Beim frühkindlichen Autismus arbeitet sie intensiv mit dem Universitäts-Kinderspital beider Basel zusammen.

Dino konnte mit drei Jahren immer noch kaum sprechen. Eine intensive logopädische Therapie brachte keine Fortschritte. Der Kinderarzt vermutete eine Hörbeeinträchtigung. Eine Untersuchung des Gehörs war jedoch aufgrund der mangelnden Kooperation des Kindes nicht möglich. Darum liessen die Eltern ihren Sohn vom Kinderarzt in ein pädagogisch-therapeutisches Zentrum zur Abklärung überweisen. Dort erhofften sie sich dank einer heilpädagogischen Früherziehung eine Besserung für ihr Kind.

Erste Hinweise auf Autismus

Bei einem Hausbesuch stellte die behandelnde Heilpädagogin fest, dass Dino mit wütendem Protest reagierte, wenn die Eltern den Ton ausschalteten, während er mit dem PC spielte. Eine Einschränkung seines Hörvermögens schien damit eher unwahrscheinlich. Vielmehr ergaben sich für die erfahrene Heilpädagogin Hinweise auf eine autistische Störung des Knaben. Sie empfahl den Eltern, ihn in der interdisziplinären Autismussprechstunde der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) der Psychiatrie Baselland und des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB) anzumelden.

Abklärung mit standardisiertem Verfahren

KJP-Psychologe Markus Förster und ein spezialisierter Kinderarzt des UKBB luden Dino und seine Eltern im März 2018 zu einem Erstgespräch ein. Anschliessend wurde der Junge gründlich abgeklärt mit den für die Autismusdiagnostik standardisierten und international anerkannten Untersuchungsverfahren. "Diese umfassen ein ausführliches Elterninterview sowie eine systematische Verhaltensbeobachtung des Kindes", erklärt Markus Förster. Bei Dino ergab der Befund, dass er von frühkindlichem Autismus betroffen ist.

Autismus-Spektrum-Störung

Der frühkindliche Autismus gehört zur Familie der Autismus-Spektrum-Störungen. Autismus ist eine angeborene, tiefgreifende Entwicklungsstörung, die vor allem die Kommunikation und den Kontakt mit anderen Menschen beeinträchtigt. Genetische Einflüsse und biologische Abläufe vor, während und nach der Geburt können die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und eine autistische Störung verursachen.

Mehr Informationen zu Autismus

Wie viele Menschen in der Schweiz an Autismus leiden, ist nicht genau bekannt. Der Bundesrat kommt in seinem Bericht "Autismus-Spektrum-Störung" zum Schluss, dass etwa 0,8 bis 1 Prozent der Gesamtbevölkerung betroffen sind. Davon, so Schätzungen, hätten 25 bis 30 Prozent eine schwere autistische Beeinträchtigung in Form eines frühkindlichen Autismus. Verbesserungen von Diagnostik und Frühintervention haben vor allem bei den weniger schwer betroffenen Kinder zu einer Zunahme der Befunde geführt.

Dank multiprofessioneller Zusammen-arbeit können wir verlässliche Autismus-Diagnosen stellen

Markus Förster, Leitender Psychologe Kinder- und Jugendpsychiatrie der Psychiatrie Baselland, Liestal.

Die Anzeichen von Autismus bei Dino

Dino ist das zweite Kind seiner aus Italien stammenden Eltern. Sein älterer Bruder zeigte in seiner Entwicklung keine Auffälligkeiten. Dino kam nach unkomplizierter Schwangerschaft zur Welt. Seine motorische Entwicklung verlief unauffällig. Erste Zeichen, die auf eine mögliche Autismus-Spektrum-Störung hinwiesen, waren die deutlich verzögerte Sprachentwicklung und der fehlende Blickkontakt. Hinzu kamen eine eingeschränkte Mimik und Gestik, eine Überempfindlichkeit auf bestimmte taktile Reize (Kleidungsstücke) sowie ein selektives Ess- und ein repetitives Spielverhalten.

Intensive Zusammenarbeit mit den Eltern

Markus Förster und der Kinderarzt teilten Dinos Diagnose den Eltern in einem ausführlichen Gespräch mit und informierten sie umfassend über die weitere medizinische Diagnostik und möglichen therapeutische Interventionen. Die Eltern meldeten ihren Sohn in einem Zentrum für Frühinterventionen bei Autismus an und liessen ihn im UKBB die empfohlenen medizinischen Untersuchungen machen. Gleichzeitig beriet der Sozialdienst des UKBB die Eltern über die Möglichkeiten, von der Invalidenversicherung unterstützt zu werden (medizinische Massnahmen, Leistungen der Hilflosenentschädigung).

Im August 2018 wurde Dino in einem Frühinterventionszentrum aufgenommen. Die intensive Behandlung umfasste Heilpädagogik, Logopädie (unterstützte Kommunikation) sowie Ergo- und Physiotherapie. Ein Jahr später konnte der Knabe in eine integrative Sonderschulung im Kindergarten seines Wohnortes eintreten.

Gute Erfolge dank Frühintervention

"Dank unserer engen multiprofessionellen Zusammenarbeit können wir in unseren Sprechstunden ziemlich rasch abklären, ob bei einem Kind wirklich Anzeichen von Autismus vorliegen und was weiter zu tun ist", sagt Markus Förster. Unter Wissenschaftern herrscht Konsens, wie aus dem Forschungsbericht Nr. 9/18 des Bundesamtes für Gesundheit hervorgeht: Umfassende verhaltenstherapeutische und entwicklungsorientierte Intensivinterventionen von zwei Jahren und einer durchschnittlichen Wochenintensität von 25 Stunden verbessern die Lebensqualität der betroffenen Kinder und ihrer Eltern und reduzieren den pädagogischen Aufwand.

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