Psychiatrie Baselland
Bienentalstrasse 7
4410 Liestal
T 0041 61 553 53 53
F 0041 61 553 64 50
info(at)pbl.ch

Bitte für sensible medizinische Daten oder im Falle eines Notfalls, direkt die gesicherte E-Mail-Adresse aufnahme(at)pbl.ch verwenden.

Medienmitteilung

15. Dezember 2017

Psychiater setzen auf Arbeitsplatzerhalt

Psychiaterinnen und Psychiater können mehr dazu beitragen, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen ihren Job behalten können. Das zeigt eine Studie der Psychiatrie Baselland und der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP). Das Wissen der Psychiater soll besser genutzt, der Austausch aller Beteiligten gefördert und die Frühintervention sowie die Reintegration gestärkt werden. Die SGPP will zudem Empfehlungen zur Erstellung von Arbeitsunfähigkeitszeugnissen erarbeiten.

Psychische Störungen sind weltweit zunehmend Grund für Krankschreibungen. Einfluss darauf, ob Betroffene im Arbeitsprozess verbleiben können, hat die Gestaltung und Qualität des Beziehungsfeldes Patient, Psychiater und Arbeitgeber. Eine heute veröffentlichte Studie ist dem Thema im Auftrag der SGPP nachgegangen und hat erstmals Schweizer Psychiaterinnen und Psychiater ausführlich zu Arbeitsproblemen ihrer Patienten und der Praxis der Krankschreibungen befragt. Die Studie wurde vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) als Forschungsbericht aufgenommen und nun publiziert.

Psychische Probleme führen oft zu beruflichen Schwierigkeiten

«Die Studienresultate belegen, dass Psychiater ihre Patienten, deren Arbeitsbiografie, Lebenssituation und Probleme sehr gut kennen», sagt Niklas Baer von der Psychiatrie Baselland. Er hat die nationale Studie geleitet, an der sich über 700 Psychiaterinnen und Psychiater beteiligten. Viele Menschen mit psychischen Erkrankungen haben berufliche Probleme: Mehr als die Hälfte aller Patienten hat entweder Schwierigkeiten bei der Arbeit, ist arbeitslos, sozialhilfeabhängig oder berentet.

Die Studie zeigt erstmals wie die verschiedenen psychischen Erkrankungen die Betroffenen beruflich einschränken. Dem Studienleiter zufolge finden sich in der Arbeitsbiografie bei zwei Drittel der Patienten fünf typische Problemmuster: «Diese Erkenntnis ist für die Arbeitsintegration enorm wichtig, denn es gibt Aufschluss über notwendige Arbeitsanpassungen».

Trialog zwischen Patienten, Psychiatern und Arbeitgebern fördern

Die Studie zeigt, dass noch einiges zu verbessern ist: So nehmen Psychiater bisher nur selten Kontakt mit dem Arbeitgeber des Patienten auf. «Und wenn, dann oft erst, wenn die Situation bereits eskaliert ist », sagt Fulvia Rota, Mitautorin und Vorstandsmitglied der SGPP. Ein Grund für diese Zurückhaltung ist in der Komplexität der psychiatrischen Behandlung zu finden, deren Basis die gute Beziehung zwischen Arzt und Patient ist.

Für den Arbeitsplatzerhalt und für eine erfolgreiche Reintegration muss der Austausch aller Beteiligten jedoch verbessert werden. «Unser Ziel ist es, stärker zur Integration beizutragen», betont auch SGPP-Präsident Pierre Vallon. Patienten sollen so früh als möglich, wieder arbeiten können, auch mit Teilzeiteinsätzen.

Stärker zum Arbeitsplatzerhalt und zur Reintegration beitragen

Die von den Psychiatern attestierten Arbeitsunfähigkeiten dauern insgesamt mit durchschnittlich sechs Monaten recht lange. Wie eine Arbeitsfähigkeit beurteilt wird, ist den Studienresultaten zufolge hingegen unterschiedlich. Fulvia Rota betont: «Eine Tatsache ist, dass diese Erkrankungen individuell verlaufen und deren Therapie Zeit braucht.» Doch hier hat es Pierre Vallon zufolge auch Handlungsbedarf: «Arbeit ist ein wichtiges Thema für Menschen mit einer psychischen Erkrankung, weshalb die behandelnden Psychiaterinnen und Psychiater stärker sensibilisiert werden müssen – auch im Rahmen der Weiter- und Fortbildung».

Die SGPP will nun Empfehlungen zur Erstellung von Arbeitsunfähigkeitszeugnissen erarbeiten. Auch soll der Früherkennung mehr Beachtung geschenkt werden, schliesslich sind es die Psychiater, die arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme früh erkennen, verstehen und behandeln können.

zurück