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Medienmitteilung

27. Oktober 2017

Bundesrat Ignazio Cassis spricht zu psychischen Problemen

Arbeitgeber und Ärzte sollen enger zusammenarbeiten, damit psychisch belastete Mitarbeitende ihre Stelle behalten können. Auch die betroffenen Mitarbeitenden stünden in der Pflicht, hat es an einer arbeitspsychiatrischen Tagung der Psychiatrie Ba-selland in Basel geheissen. Rund 300 Fachleute aus Wirtschaft, Medizin, Behörden und Politik diskutierten über das schwierige Thema. Redner war auch der neugewählte Bundesrat Ignazio Cassis. Er sprach zur psychischen Gesundheit in der Schweiz.

Der Befund von Ignazio Cassis ist ernüchternd: 27 Prozent der Menschen in der Schweiz würden im Verlaufe eines Jahres an einer psychischen Krankheit leiden. Und 18 Prozent seien durch psychische Probleme beeinträchtigt; 1,3 Millionen Erwerbstätige (25,4%) haben Stress oder sind erschöpft. Erschwerend kommt hinzu, dass der Bund wenig Kompetenzen in diesem Bereich hat. In anderen Ländern sind bereits umfassende Massnahmen getroffen worden. Der Experte für Arbeitsmarktpolitik der OECD, Christopher Prinz, nannte Länder wie Dänemark, Norwegen oder die Niederlande. Dort gibt es finanzielle Anreize für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, streng geregelte Abläufe im Falle von Krankschreibungen oder massge-schneiderte Arbeitgeberberatungen.

Angesichts dieser Fakten war das Fazit der Tagung einhellig: Psychische Probleme am Arbeitsplatz verursachen nicht nur menschliches Leid. Sie belasten die Volkswirtschaft und führen zu hohen finanziellen Verlusten der Unternehmen. Es muss mehr getan werden, um das zu ändern. Einig waren sich die Referenten und die 300 weiteren Teilnehmenden, aus Unternehmen, Verbänden, Behörden und der Medizin, dass die beteiligten Akteure stärker zusammenarbeiten und miteinander reden müssen. Das gilt vor allem für Führungskräfte in den Unternehmen und Ärzte.

Misstrauen zwischen Arbeitgeber und Psychiater
Oft wissen Vorgesetzte nicht, wie mit psychischen Problemen von Mitarbeitenden umzugehen ist. Und wenn sie Hilfe holen, dann häufig zu spät. Barbara Gutzwiller, Präsidentin des Arbeitgeberverbandes Basel, ortete ein gewisses Misstrauen zwischen Arbeitgebern und Psychiatern. Häufig würden Mitarbeitende voll arbeitsunfähig geschrieben, obwohl eine Teilarbeitsfähigkeit noch gegeben wäre. Arbeitgeber hätten grosses Interesse, psychisch belastete Arbeitnehmende weiter zu beschäftigen. Gutzwiller rief die Unternehmen und Ärzteschaft zum Dialog auf, um Lösungen zu finden.

Guter Wille da, aber keine Taten
Appelle reichen nicht, stellte der Psychologe und arbeitspsychiatrische Forscher Niklas Baer von der Psychiatrie Baselland fest. Das hätten mehrere Untersuchungen gezeigt. Ein Grund liegt darin, dass Arbeitgeber und Ärzte die Probleme sehr unterschiedlich wahrnehmen. Die Hindernisse für gute Lösungen seien hoch, sagte Baer. Trotz Engagement und gutem Willen auf allen Seiten würde nichts oder zuwenig unternommen. Führungskräfte sind mit der Situation oft überfordert, sprechen die betroffenen Mitarbeitenden zu spät darauf an oder holen selten oder zu spät externe Hilfe. Baer forderte gemeinsam erarbeitete Lösungen, Schulungen für Vorgesetzte, Leitlinien, aber auch finanzielle Anreize für alle Beteiligten.

Arbeitgeberberatung wenig genutzt
Die Psychiatrie Baselland bietet eine Arbeitgeberberatung an. Ein entsprechendes Pilotprojekt läuft seit diesem Jahr. Die Unternehmen zeigen ein grosses Interesse für das Angebot, „aber es wird noch wenig von Führungskräften genutzt“, zog Daniel Sollberger, Zentrumschefarzt der Psychiatrie Baselland, ein erstes Fazit. Dass mehr getan werden kann, zeigt das Beispiel der SBB. Personalchef Markus Jordi appellierte an die Verantwortung nicht nur der Arbeitnehmer, sondern auch der Arbeitgeber. Die SBB hat ein umfangreiches Case-Management für gesundheitlich beeinträchtigte Mitarbeitende und bietet Integrationsstellen – speziell auch für ältere Angestellte. Zudem sind die Führungskräfte geschult worden im Um-gang mit betroffenen Mitarbeitenden.

Gäste aus der Politik waren – neben Cassis – der Baselbieter Regierungsrat Thomas Weber, der ein Grusswort an das Publikum richtete sowie die Basler Nationalrätin Silvia Schenker. Offiziell eröffnet wurde die Tagung von Hans-Peter Ulmann, CEO der Psychiatrie Baselland.

Diskussion auf dem Podium
Ebenso hochkarätig wie die Referierenden war auch das Podium besetzt, das unter Leitung von Tagungsmoderatorin und SRF-Journalistin Sonja Hasler über mangelnde Kooperation bei psychischen Problemen im Job und verbindliche Anreize diskutierte: Vertreten war der nationale Arbeitgeberverband, der Versicherungsverband, die Psychiater, die Politik sowie mit Stefan Ritler der Leiter der IV beim Bundesamt für Sozialversicherungen.   

In der ersten Reihe (v.l.): Sonja Hasler, Tagungsmoderatorin; Hans-Peter Ulmann, CEO Psychiatrie Baselland; Gewählter Bundesrat Ignazio Cassis; Regierungsrat Thomas Weber, Vorsteher Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion Basel-Landschaft; Barbara Gutzwiller, Direktorin Arbeitgeberverband Basel; Frank Linhart, Arbeitgeberverband Basel; Christopher Prinz, Arbeitsmarktexperte der OECD; Niklas Baer, Leiter Fachstelle Psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland; Tamara Weber, Assistentin bei der Psychiatrie Baselland.

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